Yogitee`s Sternschnuppenzauberwelt


 

 

 

 

 

 

 

Buen Camino

 

Auf dem Weg sein, zu zweit, aber auch allein. Ein gemeinsames Ziel vor Augen. Mit gleichen und unterschiedlichen Vorstellungen, Wahrnehmungen und Hoffnungen.

Erkenntnisse gewinnen, die Natur erleben und entdecken, frei werden.

Alltagssorgen abgeben und vergessen können. Gefühle loslassen und haben dürfen. Stille genießen und sich ihr wieder entziehen. Zur Ruhe kommen und doch aufgewühlt sein. Gegensätze spüren und annehmen.

Den Körper erspüren und an die Grenzen seiner Kräfte zu kommen, sowohl physisch, als auch psychisch. Dankbarkeit fühlen, für die Gesundheit, die Stärke, die Wärme, die Aufgeschlossenheit und Freundlichkeit der Menschen.

Hilfsbereitschaft und Mitgefühl erfahren von Menschen die alle ein Ziel haben, die alle auf dem Weg sind. Auf dem Weg um anzukommen.

Anzukommen bei Antworten auf offene Fragen. Das Ziel zu erreichen sich selbst und Gott näher zu kommen. Zu lernen zu verstehen, zu glauben.

Eine Pilgerreise, die den Menschen, die sie bewältigen viel abverlangt, aber auch viel schenkt und gibt. Es ist eine Reise, bei der man zurückkommt zur Bescheidenheit, zur Einfachheit. Wichtiges zu unterscheiden von Unwichtigem. Zu merken der Mensch braucht nicht viel, um leben zu können, zufrieden zu sein. Unwichtiges und Wichtiges kristallisiert sich heraus. Frei werden bei jedem Schritt, den Kopf leer bekommen. Ein Weg, der das ganze Leben verändern kann. Es ist nicht der Baum der „Erkenntnis“, es ist der Weg der Erkenntnis.

Die Erkenntnis wie kurz ein Leben sein kann, wie die Ordnung der Ränge, dem was uns wichtig ist sich verändert.

Wie materielle Werte in den Hintergrund treten und nur noch die lebensnotwendigen Dinge wirklich gebraucht werden und einen vorrangigen Platz einnehmen.

Das alles kann man auf der Pilgerreise erleben und erfahren, ja auch ganz intensiv erspüren.

 

Nach einer langen, und anstrengenden Busfahrt, treffen wir in Logrono ein. Gleich dort sollte uns die erste, schöne Überraschung und Begegnung erwarten, welche uns den Rest unseres Weges begleiten sollte.

In Logrono führte uns unser Gang zur Kirche, es fand dort gerade eine Messe statt und wir setzten uns auf eine der freien Kirchenbänke und hielten inne zur Besinnung.

Gerade als wir wieder aufbrechen wollten, kommt ein alter Mann auf 2 Krücken auf uns zu. Er spricht uns an, ob wir Pilgerinnen wären. Nach unserem Ja, schenkt er mir einen holzgeschnitzten Jakobus und hängt jeder von uns eine Kette um. Er bittet uns in Santiago de Compostella für ihn zu beten. Ein schönes Zeichen Gottes für einen behüteten Start auf dem Weg, so finden wir.

Unsere Pilgerreise führte uns durch viele Dörfer und Städte, vorbei an Mohnfeldern, Wiesen und Äckern, durch Eukalyptuswälder, über Feldwege, Straßen und steinige Aufstiege. Es gab vieles zu sehen und zu erleben. Uns bot sich eine vielfältige, prächtige und farbenfrohe Natur, mit bezaubert schillernden Schmetterlingen, die es hier bei uns in Deutschland gar nicht gibt, mit einem Hirschkäfer, der eigens für unser Foto mitten auf dem Weg innehält und uns seine prächtigen Zangen zeigt.

Wir erleben die Naturgewalten, denen wir uns manchmal ausliefern müssen, weil uns keine andere Wahl bleibt, wie auf dem Weg über die Hochebene vor Hornillos del Camino, als wir 2 Stunden in prasselndem Regen laufen mussten, da uns weder irgendein Baum, noch Strauch, noch Unterstand hätte Schutz bieten können, es gab nur Felder und weites Land.

Es begegnen uns ganz unterschiedliche Menschen, aus aller Herren Länder und es begleitet uns immer der liebenswerte Gruß buen camino und an Stellen wo wir Hilfe benötigen, wie auch immer sie ausgesehen hatte, bekamen wir sie durch Pilger, aber auch durch Einheimische.

Manche Gegend lud zum Verweilen ein, andere waren karg und eintönig und gab uns damit die Gelegenheit unsere Gedanken kreisen zu lassen, in sich zu gehen.

Kulinarisch gab es einige Highlights, zu welchen wir das Pilgermenü zählen durften, aber auch die leckeren Rotweine und den ganz speziellen Chupito Orujo, einen Kräuterschnaps, der in Verbindung mit Eiswürfeln wirklich sehr gut schmeckte.

Aber auch für unseren olfaktorischen Sinn bot sich einiges, wie der Duft der Eukalyptuswälder, der Geruch des Weihrauchs in der Kathedrale in Santiago oder eben der Dampf des Pilgermenüs auf dem Tisch.

Völlig erschöpft und müde kamen wir am Ende unserer Tour in Santiago an und vermissten dabei den alltäglichen Gruß der uns bis dahin begleitet hatte, nämlich buen camino.

Glücklich darüber es geschafft zu haben, stolz auf die Leistung die damit verbunden war, in drei Wochen 293 km zu laufen, kehrten wir mit wehmütigem, aber auch zufriedenem Herzen wieder zurück nach Bad Salzuflen. Gefüllt mit Abenteuern und Erlebnissen und um einige Erfahrungen reicher, vielleicht gibt es auch zu einem späteren Zeitpunkt eine erneute Reise auf dem Jakobsweg, welche dann die Strecken beinhalten wird, die wir aus Zeitgründen auslassen mussten.

 

Eigenes Werk  am 29.07.2011

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Verzauberte Welt (mein Märchen)

 

Ein herrlicher, sonniger Tag nimmt seinen Anfang. Der Himmel erstrahlt in schönstem Blau, keine Wolke trübt die wundervolle Aussicht. Die Häuser des kleinen Dorfes, schimmern zart im Sonnenlicht. Noch ist auf den Straßen und vor den Häusern keine Menschenseele zu sehen, denn der Tag beginnt erst zu erwachen.

Tiere huschen durch die Gassen und laufen zu ihren Futterplätzen. Katzen putzen anmutig und eifrig ihr dichtes, glänzendes Fell, im warmen Sonnenlicht, das auf die Fensterbänke scheint. Vögel zwitschern fröhlich zum Auftakt. Im Stall rufen die Kühe klagend nach ihrem Bauern, denn es wird Zeit, mit dem Melken zu beginnen. Ihre Euter sind prall gefüllt mit dem köstlichen, weißen Nass, welches die Menschen Milch nennen.

Bewegung und Leben kehrt in das Dorf ein. Das stille, idyllische Örtchen bekommt sanft Leben eingehaucht, wie jeden Morgen. Doch dieser eine Morgen, sollte ganz anders werden als alle davor. Unvergessen in den Herzen der Menschen. Jenem kleinen, unbescholtenen Bergbauernvölkchen, das abgeschnitten vom Rest der Welt friedlich sein Dasein fristet.

Ganz froh sind sie darüber, dass bis zu ihnen nicht die Hektik der Stadtmenschen durchdringt, dass das heillose Menschengewusel außen vor bleibt.

Entspannen von der Hetze und Hektik des Alltags in der Stadt und des Berufslebens. Diesen Wunsch möchten sich zwei Menschen erfüllen.

 

Einige Stunden seit Tagesanbruch sind schon vergangen und aus der Ferne, kann man die ersten Kuhherden auf ihre Weiden marschieren sehen. Freudig die Köpfe reckend, nach jenen warmen Sonnenstrahlen, die alles Leben auf der Erde erst möglich machen. Verflogen alle Herbstdepressionen und Missstimmungen der kalten Jahreszeit. Einfach ein wundervoller Tag, der mit seinem herrlichen, strahlenden Wetter einlädt sich auf den Weg zu begeben, der Natur näher zu kommen.

Solch einen Einklang finden, möchten jene zwei Menschen. Die Pfade und Steige, sind ihnen unbekannt, darum haben sie,  als sie an jenem wunderbaren Morgen loslaufen auch kein festes Ziel vor Augen. Es soll einige Meter höher in den wundervoll angelegten Natursteingarten der nahen Bergwelt gehen.

 

Ein herrlicher Ort zum Relaxen, aber auch um Pflanzen zu erkunden und Tiere zu beobachten. Eindrücke sammeln gehen, die man festhalten kann.

 

Sie möchten heute fotografieren um schöne, neue Bilder für einen Lyrikband zu „schießen“. Einer von ihnen bereitet es Freude, in ihrer Freizeit Gedichte und Kurzgeschichten zu verfassen. Ein Hobby, bei dem sie die Seele baumeln lassen kann. An dem sie auch andere Menschen teilhaben lassen möchte und vor 

 

 

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allem auch jene gute Freundin, die sie heute mit ihren zwei Hunden begleitet. Ihnen fehlt durchaus nicht der Blick für ein passendes, gelungenes Motiv, nein, aber so ganz einfach ist es dennoch nicht alles ins richtige Licht zu rücken. So ein Motiv mit der Kamera festzuhalten, dass es passt, gewackelt darf nicht werden und so weiter.

 

Manchmal träumt die eine auch davon malen zu können. Jenem wundervollen sprechen mit Farben. Phantasie und Natur zu vereinen und gekonnt auf eine Leinwand zu bringen. Sie könnte damit auch einige ihrer Gedichte geschickter in Szene setzen, durch ein passendes Bild, mit genau den Farben, die sie sich dafür so vorstellt.
Auch wenn die Natur unzählige, viele Farbkombinationen bietet, so stellt sie sich dennoch oft Dinge einfach ganz anders vor, als sie sonst so geschaffen sind. Dabei spürt man deutlich ihre blühende Phantasie, die kaum Grenzen kennt, die ständig aufs Neue versucht futuristisches, unnatürliches, mit dem natürlich Gegebenen zu verbinden.

 Überall sieht sie kleine Wunder, die ihren Geist anregen. In jedem Wassertropfen spiegelt sich vor ihren Augen die Weite des Meeres. Hinter jeder Wolke am Himmel sieht sie das endlos weite Universum. Jedes Sandkorn zeigt ihrem inneren Fotoalbum die unendliche Wüste und den weiten Sandstrand.

 

All diese, ihre Eindrücke versucht sie einfließen zu lassen in die zahlreichen, selbst geschriebenen Werke, die sie in den letzten Jahren so erstellte. Aber damit möchte sie auch ihre Freunde und Familie wachrütteln und teilhaben lassen.

 

Die beiden Hunde sind hocherfreut über die Tatsache heute wieder einmal einen längeren Auslauf zu haben. Sie laufen tüchtig voran, bleiben aber dennoch oft stehen und schnuppern, mal hier und dort, an Pflanzen, Steinen und allem was sich so auf den Wegen zeigt. Für die beiden Frauen ist es dennoch ein gewisser Schutz, von diesen treuen Beschützern begleitet zu werden, auch wenn es hier in dieser herrlichen Bergwelt nicht den Anschein hat, dass sie diesen brauchen werden.

So wandern sie alle entspannt und fröhlich dahin. Lange Zeit sind sie nun schon so unterwegs und so allmählich stellen sie fest, dass sie keinen blassen Schimmer davon haben, wo sie sich befinden. Weder zeigt sich vor ihren Augen eine klare Wegbeschreibung, noch würden sie den Weg zurück wagen können, denn auch hier wissen sie nicht mehr, woher genau sie kamen. Zu viele interessante Eindrücke und ideale Fotomotive, ließen sie immer wieder von den üblichen Wegen abschweifen.

 

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Zeit um Ängste hochkommen zu lassen, nahmen sie sich aber nicht. Das Wetter ist gut, die Ausrüstung für Notfälle ausreichend und die unberührte Natur hier, bietet genügend Möglichkeiten sich auch ein wenig zusätzlich zu ernähren, so die Vorräte enden. Überall entspringen Quellen und kleine Bäche, deren Wasser kristallklar und völlig rein durch die Felsen und Wiesen fließt. Die weiten Hänge sind voll von köstlichen Brombeeren und dort ein Stück weiter rechts entdecken sie auch einen Walnussbaum. Unglaublich, dass dieser in diesen Höhenlagen noch wächst. Aber als sie dort unter seiner riesigen, herrlich breiten Baumkrone Rast machen, sehen sie er trägt Früchte und dieses reichlich, nur scheinen sie viel, viel kleiner als sonst. Vermutlich bedingt durch die Witterung hier in dieser Höhenlage, ist alles ein wenig kleiner gewachsen.

Mit viel Geschick schaffen es die beiden Frauen sich einige, dieser Mininüsse zu öffnen und sie zu probieren. Der Geschmack ist sehr intensiv, viel stärker als die gleiche Sorte Nüsse, die in ihrer Heimat wachsen. Dafür sind aber die Brombeeren gut doppelt so groß wie die des heimischen Waldes.

Auch gibt es hier eine Vielfalt von Pilzen, die sie zuvor kaum irgendwo entdecken konnten. Sie beschließen die pfeffrig duftenden, gelborangefarbenen Pfifferlinge, die hier unheimlich zahlreich und groß sind zu ernten und sich diese auf ihrem mitgenommenen Campinggeschirr zu braten. Die Portion war so riesig, dass sogar die Hunde davon ausreichend mit satt wurden. Ein neues kulinarisches Paradies, schienen sie erkundet zu haben.

So gestärkt soll nun aber die Wanderung weitergehen, denn vor Anbruch der Dunkelheit möchten sie doch in einem geschützteren Bereich sein, am besten entweder in einer Schutzhütte, oder einem Zimmer in einer Berghütte.

 

Doch wohin wird sie ihr Weg führen? Werden sie eine Hütte finden?

Unverzagt dessen, was sie erwartet gehen sie weiter flott voran. Grübeleien helfen ja auch nicht weiter, sagen sich die Beiden. Nicht einmal die Hunde spüren die innere Unsicherheit der zwei Frauen. Noch immer sind sie total erfreut über die herrliche Freiheit die sie hier in der unberührten Natur haben dürfen. Ist doch diese Wanderung viel, viel schöner, als alle Spaziergänge durch Wald und Flur, die sie bisher kannten.

 

Plötzlich spüren sie ein Kratzen in dem einen noch unberührten Rucksack und sie trauen kaum ihren Ohren, aber war da nicht ein miauen?

Nein, das kann nun aber wirklich nicht sein, wir hatten doch alles gründlich und genau gepackt, fest zugezurrt und seither nicht mehr geöffnet.

Vorsichtig lösen sie die Schnüre des Rucksackes und ziehen den Stoff auseinander. Ah, jetzt sind sie aber tüchtig erschrocken, aber gleich danach fangen sie an heftig zu lachen. Aus diesem Rucksack springen ihre zwei Katzen. Eigentlich sollten diese ja zu Hause die Stellung halten und warten bis alle

 

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wieder dort angekommen sind. Doch diese kleinen Kuschelmonster hatten sich das ganz anders überlegt, sie wollten mit. Sicherlich dachten die beiden, was die Hunde können, das schaffen wir schon lange. Inzwischen vom Hunger getrieben, machten sie sich bemerkbar, außerdem ist es ja nicht gerade sonderlich bequem in dieser Enge des Rucksackes.

Aber welche Köstlichkeit, können sie diesen lieben, possierlichen Tierchen nun kredenzen? Der Freundin fiel ein, dass sie doch das Hundefutter noch unberührt in der Tasche haben musste, da die Hunde ja von dem herrlichen Pilzgericht labten. Dies war die Lösung, erleichtert füttern die Beiden ihren Kätzchen das Hundefutter, welches sie gierig verschlingen. Nun bekommen sie noch einen kräftigen Schluck aus der nahen Quelle und schon kann es weitergehen.

 

Was hat das Schicksal denn wohl mit uns vor, wenn sie derartige Zufälle einfädelt?

Sollen wir alle einer neuen Heimat entgegengehen? Werden unsere Pfade uns nie wieder zurück nach Hause bringen?

Diese und noch mehr Gedanken gehen den beiden Frauen plötzlich durch den Kopf.

 

Vorn am Horizont tut sich urplötzlich ein hellleuchtender, bunter Regenbogen auf. Sie laufen darauf zu und als sie dort ankommen zeigt sich der Bogen als eine begehbare, schillernd farbige Brücke. Vorsichtig betreten sie alle diese zauberhafte Brücke. Wohin führt sie uns wohl?

Sie gehen und gehen mit leichtbeschwingten Schritten, denn diese Brücke scheint einem ein total federleichtes Gefühl zu vermitteln. Ein Gefühl das den gesamten Körper schwerelos erscheinen lässt.

Langsam nähern sie sich dem Ende dieser Regenbogenbrücke und gelangen dabei in ein anscheinend völlig von der Außenwelt abgeschnittenes, unberührtes Dorf.

 

Als sie weiter ins Dorf gehen, sehen sie am Rande eines anscheinend angelegten Gartens, ein Tier, dessen Fell in der Sonne, samtigschwarz glänzt. Neugierig laufen sie darauf zu und entdecken winzigkleine, wunderschön bunte Kätzchen, die offensichtlich gerade von ihrer Mutter gesäugt werden. Jenes herrlichen, schwarz schimmernden Tieres, dessen Glanz sie magisch anzog. Ängstlich fliehen die säugenden Minikätzchen in alle Himmelsrichtungen auf und davon. Als sie gerade die Hand recken wollten um das Muttertier zu streicheln, springt dieses entsetzt auf, einen langen, nackten, völlig felllosen Schwanz nach sich ziehend. Die beiden Frauen trauen ihren Augen kaum, das was gerade eben noch die niedlichen Katzenbabies säugte, war gar keine

 

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Katze, sondern eine Ratte. Nie zuvor gab es eine Ratte, die Katzen ernährte, wo waren sie hingekommen? In was für einer Welt sind sie gelangt?

Fragen über Fragen tun sich urplötzlich auf.

 

Da entdecken sie ein zurückgebliebenes, dreifarbiges Minikatzenkind, das offensichtlich den Weg von diesen komischen Menschen noch nicht geschafft hat. Beide Frauen sind sehr tierlieb und völlig begeistert von diesem kleinen Wesen, darum heben sie es auf und halten es sanft in der hohlen Handfläche.

Was bist du denn für ein winziges, hübsches, kleines Kätzchen, sprechen sie das Tierchen an.

Plötzlich, sie trauen ihren Ohren kaum, fängt jenes klitzekleine Miezekätzchen an zu antworten. So was gab es ja noch nie, Tiere, die die Sprache der Menschen verstehen können und nicht nur dies, die auch in der Lage sind sie zu sprechen. So erfahren die Damen, dass sie in einem verzauberten Land angekommen sind, wo jeder, jeden verstehen kann. Dort gibt es keinen Neid, Hass oder Gewalt, alles ist friedlich und es gibt genug Lebensmittel um gut leben zu können.

 

Ein Zwiegespräch mit dem Tierlein beginnt, sie erzählen die Geschichte ihrer Herkunft, ihre Erlebnisse, aber auch ihre Enttäuschungen. Gerade so, als wäre jenes winzige Tier am anderen Ende eines Sorgentelefons. Komisch, normal reden sie nicht so offen und frei einfach so über ihr Leben, aber dieses Tier scheint etwas an sich zu haben, dass die Beiden regelrecht dazu animiert.

 

Als die Sprache auf die verschwundene rotgetigerte Katze kommt, wird das kleine Wesen hellhörig.

Sie stellt gezielt weitere Fragen, bezüglich des Aussehens von diesem Tier. Bernsteinfarbene Augen kommen ins Gespräch, nun sind alle Restzweifel beseitigt, ja das kann nur sie sein.

So eine Katze kam vor Monaten hier bei uns über die Regenbogenbrücke an. Anscheinend hatte sie sich völlig verlaufen. Bereitwillig erzählte dieses verirrte Tier uns damals, wie es dazu kam, dass sie völlig die Orientierung verlor. Völlig veränderte Lebensumstände und fremde Leute im Haus, brachten sie damals durcheinander und sie wollte eigentlich nur raus um sich ein wenig von diesem Durcheinander zu erholen. Dabei bemerkte sie nicht, wie sie immer weiter und weiter von dem eigentlichen Weg abkam, bis sie schließlich nicht mehr zurück fand und auch nicht mehr wusste wo sie war.

 

Sunny ist ein Stück weiter im Dorf drin, sie fühlt sich dort sehr wohl und hat auch viele Freundschaften geschlossen. Aber noch heute erzählt sie uns immer wieder von der Sehnsucht nach ihrer ursprünglichen Familie. Der Frau

 

 

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, die sie immer gerne gestreichelt hat  und mit ihr redete, die sie immer gut und ausreichend mit Futter versorgt hatte. Von zwei riesigen Hunden, von denen die eine ständig meinte sie hüten zu müssen. Aber auch von der damals noch kleinen, frechen schwarzen Katze, die zusammen mit ihr aufwuchs und nicht zuletzt dem ein wenig ruppigen Kater, der ihr aber immer wieder half sich dort besser einzuleben.

Vergessen hat sie niemanden von allen und eigentlich wollte sie ja auch gerne wieder dorthin zurück, doch dies ist leider unmöglich.

Wer einmal unser Zauberland betritt, kann nie wieder in die andere Welt zurückkehren, so ist es normal hier die Regel.

Hier soll es weiterhin ruhig bleiben, fern ab von dem geschäftigen Treiben der Menschen, die alles was ihnen neu und interessant erscheint vermarkten wollen und damit die Ruhe und Unberührtheit stören.

Darum seid ihr heute hier, weil wir beschlossen haben Sunny eine Freude zu machen, ihr den Schmerz der Sehnsucht zu nehmen. So haben wir euch hierher gelotst, damit ihr euch wieder begegnen dürft.

Das besondere hier ist, ihr werdet Sunny nun verstehen können, das heißt ihr könnt nun mit ihr reden und sie mit euch, genauso wie die Hunde mit ihr reden können. Jeder kann hier die Sprache des anderen verstehen, dies ist die große Besonderheit in unserem verschwiegenen Land.

 

Wir haben hier einen Ort an dem Geld und Sprache, Aussehen und Rasse völlig unwichtig sind. Es gibt genug Lebensmittel für alle, und auch Unterkünfte sind genügend für Mensch und Tier vorhanden.

Eine Zauberwelt in der alles möglich ist, von der Vielfalt der Möbel, die sich jeder aussuchen kann und die gemeinsam erstellt werden bis hin zur Lebensmittelvielfalt die in riesigen Geländen erzeugt wird. Toll dies alles ohne jeglichen Zahlungsverkehr bekommen zu können.

 

Die bunt gemischte, neu angekommene Wandergemeinschaft ist inzwischen an dem Haus angekommen in dem Sunny beschlossen hat zu leben.

Wie groß ist die Freude auf  allen Seiten sich endlich wieder in die Arme, bzw. Pfoten schließen zu können.

Das erste was Sunny sagt ist.“ Paula, du bist ja ein klasse Hund, aber bitte wo du mich hier jetzt verstehen kannst, kapier endlich, dass ich alt genug bin auf mich selbst aufzupassen. Mir ging das ganz schön auf den Zeiger, wenn du ständig hinter mir her warst, egal wohin ich ging.“

Paula antwortet ein wenig mürrisch.“ Och Menno, ich bin schließlich ein Hütehund und meine Aufgabe ist es nun mal auf alle von euch aufzupassen. Aber wenn es dich so nervt, dann will ich mal versuchen dies zu lassen. Ja und sollte ich es mal nicht so schaffen, kannst du ja jetzt mit mir reden.“

 

 

Ein Wunsch den alle hegten ging in Erfüllung, ein Wiedersehen, auf das alle hofften, aber keiner mehr so richtig glauben konnte trat ein.

Sie konnten ihr Glück kaum fassen.

 

Ja und schaut man heute in dieses Zauberland wird man entdecken, dass diese zugereiste Gemeinschaft sich um einige Minikatzen vergrößert hat und auch zwei Minijunghunde sind dort noch zu sehen.

 

Wunderbar verzauberte Zauberwelt bleibe uns erhalten und weiche nie mehr von uns, sagen sie sich täglich aufs Neue, froh über die Brücke dorthin gefunden zu haben.

 

(eigene Kurzgeschichte nach einem eigenen Traum geschrieben vom 14.11.-17.11.07)

 

  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Seesterne

 

 

Als der alte Mann bei Sonnenuntergang den Strand entlang ging,
sah er vor sich einen jungen Mann, der Seesterne aufhob und ins Meer warf.
Nachdem er ihn eingeholt hatte, fragte er ihn, warum er das dann tue.
Da sagte der junge Mann: " Die Seesterne werden sterben, wenn sie bis Sonnenuntergang hier liegen bleiben müssen."
Aber der Strand ist viele Meilen lang und tausende von Seesterne liegen hier: sagte der alte Mann. "Was macht das also für einen Unterschied, wenn du dich hier abmühst?"
Der junge Mann blickte auf den Seestern in seiner Hand und warf ihn in die rettenden Wellen. Dann meinte er: " Für diesen hier, macht es einen."

 

(Verfasser unbekannt)

 

 

Hero und der Osterhase Flecki

 

Von Friedrich Schindler

 

Es war seit Jahren Tradition. Am Ostersonntag, rechtzeitig zum Frühstück, erschienen bei uns Opa Ernst und Oma Margret. An sich sind ja Besuche an den Feiertagen nichts Besonderes, vor allem wenn die „Verwandtenpflicht“ ruft. Bei Margret und Ernst handelte es sich nicht um Verwandte, sondern um Freunde, die nur ihres Alters wegen mit Opa und Oma tituliert werden. Vor vielen Jahren wohnte unsere Familie im Haus der beiden, die uns stets freundlich und hilfsbereit zur Seite standen. Obwohl wir nun mehr als zweihundert Kilometer entfernt wohnen, hatte die Freundschaft Bestand. Wir sehen uns nicht oft, doch wir telefonieren regelmäßig. Ostern war immer die Zeit, in der Ernst und Margret uns besuchten, und sie reisten stets so an, dass sie am Ostermorgen bei uns ankamen. Das hatte einen Hintergrund. Margret war eine ausgezeichnete Köchin und verstand es auch meisterhaft, Torten und Kuchen zu zaubern. Die Eitelkeit, die guten Köchen oft eigen ist, verpflichtete sie, dass sie nur absolut frische Köstlichkeiten anbot. Kuchen und auch Beilagen zum Mittagessen wurden sozusagen in letzter Minute daheim vorbereitet und dann per Auto zu uns transportiert. Eine Menge Arbeit für eine alte Dame, wie man respektvoll feststellen muss.

Die Ankunft von Margret und Ernst war voller Spannung für uns Kinder. Meine zwei Geschwister und ich erhielten, nämlich jedes Mal eigene Kuchen, in die eine kleine Überraschung, Spielzeug oder Münzen für das Sparbuch, eingebacken war. Selbst „Hero“, unser Mischlingshund, wurde nicht vergessen. Für ihn gab es Hundekuchen oder saftige Knochen, die Ernst beim Landfleischer besorgt hatte.

In diesem Jahr jedoch war alles anders.

Nicht nur, dass die beiden erheblich später ankamen als sonst, sondern es fehlten diesmal für uns Kinder die gewohnten Kuchen, mit den darin versteckten Überraschungen.

Unsere traurigen Gesichter hellten sich erst auf, als Ernst eine große Schachtel, die mit Löchern versehen war, vom Hintersitz seines Autos holte. „Darin ist diesmal euer Ostergeschenk und bestimmt ist es eine freudige Überraschung“, sagte er. „Es gehört euch Kindern zusammen“, fügte er noch hinzu. Wir Kinder nahmen das mit Bedenken zur Kenntnis, denn Streitereien waren da vorprogrammiert. Das begann schon damit,  dass jeder von uns als Erster das Paket öffnen wollte. Wir losten es aus und ich hatte das Glück, dass ich die Schnur von der Schachtel entfernen durfte. Mutter sah skeptisch zu. Sie ahnte wohl, dass der Inhalt nicht allen Bewohnern des Hauses Freude machen würde.

Ohne Zweifel gehörte Hero, der plötzlich im Wohnzimmer stand, zu denen, die etwas gegen den Inhalt des Kartons hatten. Ohne ersichtlichen Grund, zumindest für uns, knurrte und bellte er das Paket an. Er tänzelte um den Karton herum und wurde immer aufgeregter, ja nahezu wütend. Als Hero noch versuchte, in die Schachtel zu beißen -, griff Vater energisch zu und führte Hero, trotz dessen knurrenden Protestes, hinaus in den Garten.

Mit gespannter Neugier trieben mich meine Geschwister an. Ich beeilte mich, rasch den Deckel von der Verpackung zu entfernen.

Ein raunendes „Aah“ und „Ooh“ ertönte, als wir unser Ostergeschenk erblickten. In der Schachtel saß etwas verängstigt, ein kleines Abbild der Osterhasen. Ein grauer, gefleckter Zwerghase war es, der uns mit schwarzen Kugelaugen ansah. Auffällig war nur, dass seine Vorderpfote eingebunden war.

Es war jedenfalls eine gelungene Osterüberraschung. Wir Kinder waren begeistert. Von Mutter und Vater konnten wir das nicht sagen, sie schauten kritisch auf den nicht erwarteten Gast. Margret versuchte zu erklären.

Gestern hatten sie, bei ihrem täglichen Spaziergang, am Rande des Gehsteigs, fast am Ende des Ortes, wo sie wohnten, das Häschen entdeckt. Gekrümmt lag es da und schien leblos zu sein. Voller Mitleid kümmerten sie sich darum und stellten schnell fest,  dass das Tier noch lebte. Bei jeder auch noch so sanften Berührung zuckte es schmerzhaft zusammen ohne die Augen zu öffnen. Ernst hatte es vorsichtig in seine Jacke gepackt und zum befreundeten Tierarzt gebracht. Dieser stellte einen Bruch der Vorderpfote fest. Einschläfern, da war man sich einig, kam nicht in Frage, und so versuchte es der Arzt mit einer Schiene, um damit das Bein zu stabilisieren. Trotz aller Bemühungen, die bis zum Abend andauerten, war nicht herauszufinden, wem der Zwerghase gehörte. Bestimmt nicht jemandem aus dem kleinen Ort, wo jeder jeden und dessen Lebensumstände kannte. Es wurde vermutet, dass durchfahrende Fremde das Tier ausgesetzt hatten.

Kurzum, Margret blieb nur noch die Zeit, um eine Torte für das Osterfrühstück fertig zu stellen. Den Hasen konnten die beiden in ihrer Wohnung nicht halten. Bei uns, so meinten sie, wäre das Häschen bestimmt gut aufgehoben, denn wir hätten viel Platz im Haus und einen großen Garten. An Hero, das gestand Margret ein, hatte sie nicht gedacht.

Nun war guter Rat teuer. Wir Kinder wollten natürlich unbedingt „unseren Osterhasen“, den wir zwischenzeitlich aufgrund seines Aussehens bereits „Flecki“ getauft hatten, behalten. Mit kindlichem Starrsinn beharrten wir darauf, dass Hero sich sicher bald an das Häschen gewöhnen würde, weil das ja ein gar so nettes Tierchen wäre.

Doch vor allem Mutter wollte den Zwerghasen nicht annehmen. Für sie war das Verhalten das Hero vorher gezeigt hatte, ein klarer Beweis, dass ein Zusammenleben zwischen Hund und Hase nicht möglich war.

Vater holte Hero aus dem Garten und zeigte ihm mit beruhigenden Worten Flecki, den er in der Hand hielt. Hero knurrte nur noch leise und beschnüffelte neugierig das Langohr. Erkennbar hielt ihn nur der Respekt vor Vater zurück, nochmals aggressiv zu reagieren.

Verärgert stellten wir Kinder fest, dass wir, obwohl es unser Geschenk war, letztlich nicht um unsere Meinung gefragt wurden. Da ging es uns eigentlich wie Hero. Nur die Erwachsenen diskutierten, was mit dem Hasen geschehen sollte. Grausam für uns zu hören, dass dabei auch das Wort „Tierheim“ fiel.

Unsere Eltern stimmten schließlich dem Kompromiss zu, dass man abwarten wolle, bis Opa Ernst und Oma Margret in zwei Tagen wieder abreisen würden. Wenn Hero sich dann immer noch negativ gegenüber dem „Osterhasen“ verhielt, müsse der Hase mit zurück. Diese Lösung war wohl nur aufgrund der Achtung vor den beiden alten Leuten entstanden. Keiner glaubte wirklich daran, dass sich eine günstige Entwicklung ergeben könnte.

Doch am nächsten Tag geschah etwas, das jede Spekulation über den Haufen warf. Flecki war plötzlich verschwunden, was allgemein nicht auffiel, da der Hase inzwischen selbstbewusst und ohne Angst dreibeinig durch das Haus sprang. Wir alle wurden erst aufmerksam, als Hero laut bellend durch die offene Terrassentür hinaus in den Garten sauste. Unsere erstaunten Blicke folgten ihm und erstarrten.

Flecki war gerade im Begriff, durch die offene Gartentür hinaus auf die Strasse zu hoppeln. Hinten vom großen Parkplatz her donnerte ein Auto heran. Der Hase würde, mit seiner Verletzung war er ja alles andere als schnell, keine Chance haben, dem heranbrausenden Auto auszuweichen. Wir alle hatten uns noch nicht von dem Schreck erholt, da war Hero schon bei Flecki und packte den Hasen mit einem schnellen Biss. Die Frauen und wir Kinder schrieen auf. Das war wohl das Ende unseres Osterhasen.

Noch immer zittrig, mussten wir sogleich die nächste Überraschung verdauen.

Hero trug Flecki herein ins Wohnzimmer. Die Menschen reihum schien er nicht zu beachten. Zielstrebig steuerte er auf seinen Platz zu, wo der große Hundekorb stand. Ganz vorsichtig legte er das Häslein hinein. Jetzt sahen wir es auch, Flecki fehlte nichts, das Tier war völlig unversehrt, wenn es auch vor Angst zitterte.

Mit verdattertem Blick, der sich langsam zu einem befreienden Lächeln öffnete, beobachteten wir, wie Hero den Hasen beruhigend abschleckte. Wir Kinder begriffen und jubelten als Erste. Es hatte sich zum Guten gewendet. Flecki wurde von Hero akzeptiert.

Der Auslöser war wohl die Bedrohung für Flecki. Hero, der sonst ein wachsamer Hüter für uns Kinder war, hatte die Gefahr erkannt und sofort reagiert. Wenn er auch ein anderes Tier nicht anerkennen wollte, so siegte doch sein Pflichtgefühl, dass er ein Mitglied dieses Hauses zu beschützen hat. Mit dem Hunden eigenen Einfühlungsvermögen hat er das hilflose Tierchen dann sogleich adoptiert, denn von diesem Tag an durfte Flecki, „der Osterhase“, sogar in seinem Korb schlafen. Der Hundefreund wird wissen, welchen hohen Stellenwert das für unseren vierbeinigen Freund bedeutet. Für uns alle, besonders für Oma Margret und Opa Ernst, waren es noch zwei herrliche Ostertage.

 

 

 

 

 

GB Pics

 

 

Der kleinste Engel

 

Es war einmal - nach der Zeitrechnung der Menschen ist es viele, viele Jahre her, nach dem himmlischen Kalender freilich nur einen Tag - ein trauriges, unglückliches Engelchen, das im ganzen Himmelreich nur als „der kleinste Engel“ bekannt war.

Der kleinste Engel war genau vier Jahre alt, als er vor den ehrwürdigen Hüter der Himmelspforte trat und um Einlass bat. Herausfordernd stand er da, seine kurzen Beinchen trotzig gespreizt, und tat so, als wäre er von solch unirdischem Glanz nicht im geringsten beeindruckt. Aber seine Oberlippe zuckte doch verräterisch, und er konnte auch nicht verhindern, dass ihm eine Träne über das sowieso schon völlig verweinte Gesicht kollerte und sich erst auf seiner sommersprossigen Nase fing. Aber das war noch nicht alles. Natürlich hatte er wie üblich sein Taschentuch vergessen, und als der freundliche Himmelspförtner den Namen in sein großes Buch eintrug, musste der kleinste Engel plötzlich ganz laut schnupfen - so laut, dass dem guten Himmelspförtner vor Schreck etwas passierte, was noch nie vorgekommen war: Er machte einen dicken Klecks auf die sauber beschriebene Seite!

Von diesem Augenblick an war der himmlische Friede gestört, und der kleinste Engel wurde bald zum Schrecken aller Himmelsbewohner. Sein Pfeifen schrillte durch die goldenen Strassen, dass die Propheten jedes Mal zusammenzuckten und aus ihren Meditationen gerissen wurden. Und bei den Gesangsstunden des Himmelchors sang er so laut und so falsch, dass der zarte, himmlische Klang völlig gestört wurde. Dazu kam, dass er wegen seiner kurzen Beinchen stets zu spät zu den abendlichen Gebetsstunden erschien und die anderen Engel an den Flügeln stieß ,wenn er sich zwischen ihren Reihen hindurch auf seinen Platz zwängte. Hätte man dieses schlechte Bet4ragen noch übersehen können, so war seine äußere Erscheinung völlig unentschuldbar. Zuerst flüsterten Cherubinen und Seraphinen es sich heimlich zu, bald aber sprachen die Engel und Erzengel es ganz laut aus, dass er überhaupt nicht wie ein Engel aussah. Und sie hatten recht. Sein Heiligenschein hatte ganz trübe Flecken an den Stellen, wo er ihn mit seinen kleinen Schmutzfingern festhielt, wenn er rannte. Und er rannte eigentlich immer. Aber selbst wenn er einmal stille stand, saß der Heiligenschein irgendwie immer schief auf dem Kopf, oder er fiel ganz herunter und rollte eine der goldenen Straßen entlang, so dass der kleinste Engel hinterherlaufen musste. Ja, und es muss auch gesagt werden, dass seine Flügel weder schön noch nützlich waren. Alle hielten den Atem an, wenn  er sich wie ein ängstlicher, eben flügge gewordener Spatz an den äußersten Rand einer Wolke setzte und Anstalten zu einem Flug traf. Dann schloss er die Augen, hielt sich mit beiden Händen seine sommersprossige Nase zu, zählte bis drei - stürzte sich dann - Kopf über Heiligenschein - hinaus ins All. Und weil er dabei stets vergaß, seine Flügel in Aktion zu setzen, endete ein solcher Flug meist mit einer Panne.

Dass all dies früher oder später zu einer Bestrafung führen musste, sah jeder kommen. Und so geschah es denn, dass er an einem ewigen Tag im ewigen Monat des ewigen Jahres vor den Engel des Friedens gerufen wurde. Der kleinste Engel kämmte sich sorgfältig die Haare, bürstete seine zerzausten Flügel und streifte sich ein fast sauberes Kleid über - und dann machte er sich schweren Herzens auf den Weg. Als er sich dem Gebäude der himmlischen Gerechtigkeit näherte, hörte er von weitem schon fröhlichen Gesang erschallen. Schnell putzte er seinen Heiligenschein an seinem Kleid noch einmal blank, dann trat er auf Zehenspitzen ein.

Der Sänger, der im Himmel als der Engel des Verstehens bekannt war, blickte auf den kleinsten Engel herab, und er machte sofort einen vergeblichen Versuch, sich unsichtbar zu machen, indem er seinen Kopf wie eine Schildkröte in den Kragen seines Gewandes einzog. Bei diesem Anblick konnte der Engel des Verstehens nicht ernst bleiben. Er lachteein herzliches, warmes Lachen und sagte: “Du bist also der Missetäter, der den Himmel so in Aufruhr versetzte! Komm kleiner Cherub, und erzähle mir nun alles!“

Der kleinste Engel blinzelte zuerst mit dem einen und dann mit dem anderen Auge hinauf zu dem großen Engel - und plötzlich er wusste selbst nicht, wie es gekommen war, saß er auf dessen Schoß und erzählte, wie schwer es doch für einen kleinen Jungen sei, wenn er plötzlich ein Engel würde. Und er hätte doch auch wirklich nur ein einziges Mal am Goldenen Tor geschaukelt. Nun ja zweimal; richtig, vielleicht auch dreimal; aber doch nur, weil er solche Langeweile hatte. Und das war wohl auch das ganze Unglück. Der kleinste Engel hatte nichts zu tun. Und er hatte Heimweh. Nicht, dass es im Paradies nicht schön wäre! Aber die Erde war eben auch schön gewesen mit den Bäumen, auf die man hinaufklettern konnte, und mit den Fischen im Wasser, die man fangen konnte mit ihren Seen zum Schwimmen, ihrem Regen und dem braunen Lehm, der sich so weich und warm anfühlte unter den Füßen! Der Engel des Verstehens lächelte verständnisvoll. Dann fragte er den kleinsten Engel, was ihn im Paradies wohl am glücklichsten machen würde. Der dachte eine Weile nach, und dann flüsterte er ihm ins Ohr: „Zu Hause unter meinem Bett steht eine Schachtel. Wenn ich die haben könnte!“ Der Engel des Verstehens nickte. „Du bekommst sie“, versprach er und sandte sofort einen Himmelsboten danach aus.

In all den zeitlosen Tagen, die nun folgten, wunderten sich alle über die merkwürdige Wandlung, die sich in dem kleinsten Engel vollzogen hatte. Er war der glücklichste von allen Engeln, und sein Betragen und sein Aussehen waren so vorbildlich, dass niemand mehr etwas auszusetzen hatte.

Eines Tages nun kam die Kunde, dass Jesus, der Sohn Gottes, von Maria, der Jungfrau, zu Bethlehem geboren werden sollte. Allgemeiner Jubel wurde laut, und all die Engel und Erzengel, die Seraphinen und Cherubinen, der Himmelspförtner und alle anderen Himmelsbewohner legten ihre alltäglichen Arbeiten beiseite, um Geschenke für das Gotteskind vorzubereiten. Alle waren eifrig bei der Arbeit, nur der kleinste Engel nicht. Der saß auf der obersten Stufe der goldenen Himmelstreppe und wartete, den Kopf in die Hände gestützt, auf eine gute Idee für ein passendes Geschenk. Aber so sehr er auch nachdachte, es fiel ihm nichts ein, das würdig gewesen wäre für das göttliche Kind. Die Zeit des großen Wunders war schon bedenklich nahe gerückt, als ihm plötzlich der erlösende Gedanke kam. Und am Tag der Tage holte er sein Geschenk aus seinem Versteck hinter der Wolke hervor und legte es vor dem Thron Gottes nieder. Es war nur eine kleine, unscheinbare, abgegriffene Schachtel, aber sie enthielt all jene wunderbaren Dinge, die selbst ein Gotteskind erfreuen mussten.

Da lag sie nun die kleine, unscheinbare, abgegriffene Schachtel mitten unter den anderen kostbaren Geschenken der Engel des Paradieses, Geschenke von solcher Pracht und atemberaubender Schönheit, dass der Himmel und das gesamte Universum von ihrem bloßen Widerschein erleuchtet waren. Als der kleinste Engel diese Pracht sah, wurde er ganz traurig, denn er erkannte, dass sein Geschenk unwürdig war.

Am liebsten hätte er es wieder zurückgenommen, aber dazu war es nun zu spät. Die Hand Gottes bewegte sich bereits über all die Geschenke, hielt dann plötzlich inne, senkte sich herab - und ruhte unvermittelt auf dem ärmlichen Geschenk des kleinsten Engels.

 

Der kleinste Engel zitterte, als die Schachtel geöffnet wurde und nun vor den Augen Gottes und der anderen Himmelsbewohner das offen dalag, was er dem Gotteskind zum Geschenk gemacht hatte: ein Schmetterling mit goldgelben Flügeln, den er an einem sonnigen Tag in den Bergen gefangen hatte, ein himmelblaues Vogelei, das aus einem Nest im Olivenbaumgefallen war, zwei weiße Kieselsteine, die er am schlammigen Ufer des Flusses gefunden hatte, und ein abgerissenes Stück Leder, das einst das Halsband seines treuen vierbeinigen Begleiters war….

Der kleinste Engel weinte heiße, bittere Tränen. Wie hatte er jemals annehmen können, dass solch unnütze Dinge einem Gotteskind gefallen würden? In panischer Angst wandte er sich um, um wegzulaufen und sich zu verstecken vor dem göttlichen Zorn des himmlischen Vaters. Aber plötzlich stolperte er und fiel so ungeschickt über eine Wolke, dass er bis vor den Thron des Allmächtigen kollerte. Lähmende Stille herrschte in der himmlischen Stadt, eine Stille, in der nur das herzzerreißende Schluchzen des kleinsten Engels zu hören war. Aber plötzlich erhob sich eine Stimme, die Stimme Gottes, und sie sprach:

„Von allen Geschenken gefällt mir diese Schachtel am besten, Sie enthält Dinge von der Erde und von den Menschen, und mein Sohn ist zum König beider geboren. Ich nehme deshalb dieses Geschenk im Namen des Kindes Jesus an, das heute von Maria in Bethlehem geboren wurde.“

Es folgte eine atemlose Stille, und dann begann die Schachtel des kleinsten Engels plötzlich in einem völlig unridischen Licht zu leuchten. So hell und so strahlend wurde das Leuchten, dass es die Augen aller Engel blendete. Keiner von ihnen konnte daher sehen, wie dieses strahlende Etwas sich von seinem Platz vor dem Thron Gottes erhob - nur der kleinste Engel sah, wie es seinen Weg über das Firmament nahm und als klar leuchtendes Zeichen über einem Stahl stehen blieb, in dem ein Kind geboren wurde.

 

(Verfasser unbekannt)

 

 

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Das schönste Geschenk

 

Von Hermann Wächter

 

Therese lebte allein in ihrem kleinen, schmucken Häuschen am Rande der Kreisstadt. Für ihre bald 80 Jahre war sie noch recht rüstig. Schneeweißes Haar umrahmte ein gutmütiges Gesicht, in dem ein langes Leben seine Spuren hinterlassen hatte. Ihr Mann der einen Chor leitete, war vor fünf Jahren kurz vor Weihnachten bei einem Verkehrsunfall auf vereister Straße ums Leben gekommen. Er war auf der Rückfahrt von einem Weihnachtsliedersingen, das er mit seinem Chor für die Bewohner des nahen Altersheims veranstaltet hatte, Ihr einziger Sohn Wolfgang hatte vom Vater das musikalische Talent geerbt und war inzwischen ein berühmter Sänger, der in der ganzen Welt gefragt war. Ein zweites Kind war kurz nach der Geburt gestorben.

Nur noch selten führte Wolfgang sein Weg in die kleine Kreisstadt. Auch dieses Weihnachten würde es wohl wieder nichts werden mit einem Besuch bei der Mutter. Aber Therese tröstete sich damit, dass das Fernsehen am 2. Feiertag ein Konzert ausstrahlte, bei dem ihr Sohn Weihnachtslieder sang. Darauf freute sie sich wie ein kleines Kind. An den langen Winterabenden saß sie oft in ihrem gemütlichen Sessel und blätterte im Buch der Erinnerungen.

Es war schon spät am Abend, als Therese in ihrem Häuschen die Kellertreppe hinabstieg. Da passierte es: Sie stürzte und fiel so unglücklich, dass sie sich den Oberschenkel brach. Und das zwei Tage vor Heilig Abend!

Zum Glück hörte die Nachbarin die Hilferufe der alten Frau. Sie fand die hilflos am Boden Liegende und rief den Notarzt, der die Einlieferung ins Krankenhaus veranlasste. Dort würde Therese nun wohl auch Weihnachten verbringen müssen.
Der Heilige Abend kam. Es war ein grauer, wolkenverhangener Tag. Aber wie jedes Jahr hatte dieser 24. Dezember auch etwas Besonderes, Geheimnisvolles.

Im Krankenhaus war gerade das Mittagessen vorüber, und das Geschirr wurde abgeräumt. Doch was war das? Plötzlich wurden alle Zimmertüren zum Gang hin weit aufgemacht. Alles wartete gespannt auf das, was nun kommen würde.

Da ertönte am Ende des Flures eine wunderschöne Stimme, die das Lieblingslied von Therese, das „Wolgalied“ sang. Therese wusste sofort: Das ist ihr Sohn Wolfgang! Und bei der Stelle „Hast du dort oben vergessen auf mich?“ stand er singend an ihrem Bett und hielt ihre Hand. Als das Lied zu Ende war, konnte Therese zunächst nichts sagen. Tränen standen in ihren Augen. Ihr Sohn hatte ihr das schönste Geschenk gemacht, das sie sich denken konnte.



 
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Advent

(Ein Schüleraufsatz)

 

Der Adpfent ist die schönste Zeit im Winter. Die meist`n Leute haben im Winter eine Grippe. Die ist mit Fieber. Wir haben auch eine, aber die ist mit Beleuchtung und mit K. Drei Wochen vorm Christkindl stellt der Papa die Krippe im Wohnzimmer auf und meine kleine Schwester und ich dürfen dabei helfen. Viele Krippen sind fad, unsere aber nicht, weil wir haben mords tolle Figuren drin.

 

Ich habe einmal den Josef und das Christkindl aufn Ofen gestellt, damit sie es schön warm haben und es war ihnen zu heiß. Das Christkindl ist ganz schwarz wordn und den Josef hats zrissen. Ein Haxn von ihm ist bis in den Keksteig geflogen und es war kein schöner Anblick. Meine Mama hat ma a Fotzn gegeben und gesagt, dass net amal die Heiligen vor meiner Blödheit sicher san. Wenn Maria ohne Mann und ohne Kind herumsteht, schaut des net guat aus.

 

Aber ich habe Gottseidank viele andere Figuren und der Josef ist jetzt der Donald Duck. Als Christkindl wollte ich den Asterix nehmen, weil der als einziger so klein ist, dass er in den Futtertrog passt. Da hat aber meine Mama gesagt, da Asterix is koa Christkindl, da is des schwarze Christkindl noch gscheiter. Es ist zwar verbrannt, aber immerhin a Christkindl. Hinterm Christkindl stehen 2 Oxn, ein Esel, ein Nilpferd und ein Brontosaurier. Das Nilpferd und den Saurier habe i hingestellt, weil dass de Oxn und der Esel net so allein san.

 

Links neben dem Stall kommen gerade die heiligen drei Könige daher. Ein König ist dem Papa im letzten Adpfent beim Putzen abigefallen und er war dodal hin. Jetzt haben wir nur mehr zwei heilige Könige und einen heiligen Batman als Ersatz. Normal haben die heiligen Könige einen Haufen Zeug fürs Christkindl dabei, nämlich Gold, Weihrauch und Püree. Von den unseren hat einer stattn Gold a Kaugummipapierl dabei, des glänzt a so schön. Der andere hat a Malboro in der Hand, weil wir keinen Weihrauch haben. Aber die Malboro raucht auch schön, wenn man sie anzündet. Der heilige Batman hat a Pistole dabei. Des is zwar kein Geschenk fürs Christkindl, aber er kann es vorm Saurier beschützen. Hinter den drei Heiligen sind ein paar rothäutige Indianer und ein kaasiger Engel. Dem Engel fehlt ein Fuß, darum haben wir ihn auf ein Motorrad gesetzt, damit er sich leichter tut. Mit dem Motorrad kann er fahren, wenn er nicht gerade fliegt.

 

Rechts neben dem Stall haben wir ein Rotkäppchen hingestellt. Sie hat eine Pizza und drei Flaschen Gösser für die Oma dabei. Einen Wolf haben wir nicht, darum lurgt hinterm Baum eine Sau als Ersatzwolf hervor.

 

Mehr steht in unserer Krippe nicht. Aber das reicht voll. Am Abend schalten wir die Lampen ein und dann erst ist unsere Krippe richtig schön. Wir sitzen so herum und singen Lieder vom Adpfent. Manche gefallen mir, aber die meisten sind mir zu fad. Mein Opa hat mir ein Lied vom Adpfent gelernt, das geht so:

„Adpfent, Adpfent, da Obstler brennt.
Erst saufst oan, dann zwoa, drei oder vier,

dann hauts`de mit da Birn`auf Tür!“

Obwohl dieses Gedicht recht schön ist, hat Mama gesagt, dass ich es mir nicht merken darf (der Papa singts aber auch oiwei!).

Bis man schaut ist der Adpfent vorbei und Weihnachten auch und so geht das Jahr dahin. Aber eins ist gwiss: Der nächste Adpfent kommt bestimmt!



 

 

Von der Schneeflocke, die einmal in die Welt des Sandkornes sehen wollte.

 

Wieder einmal ist es soweit, die riesig große Schneeflockenfamilie, macht sich bereit für die Reise auf die Erde.

Blitzsauber, in reinstem Weiß sind ihre Kleider geputzt Egal ob sie groß oder klein, dick oder dünn, alt oder jung sind, für alle ist es nun an der Zeit auf den Vater Wind zu warten, der ihnen hilft, sich über dem gesamten Land zu verteilen. Dort landen sie in Gärten, auf Dächern, Bäumen, Wiesen, Bergen und Straßen. Alles wird zart von einer puderigen, weißen, kühlen Schicht überzogen.

Doch dieses Mal war eine Flocke dabei, die gänzlich unzufrieden war. Sie wollte nicht auf diese raue, kalte Erde fliegen, wo sie vom Ruf! und Staub der Umwelt rasch einen Grauschleier auf ihrem blütenweißen Kleidchen sehen konnte. Es machte sie traurig, wieder vielleicht nur auf einer doofen, unpersönlichen Straße zu landen, wo Autos einfach über sie hinweg fahren, oder Menschen mit ihren mächtigen Stiefeln auf sie traten. Die ganze Umwelt empfand sie als ziemlich farblos und kalt. Immer nur kahl gefegte Laubbäume zu sehen zu bekommen, denen die Kälte und der Herbst, die letzte Kraft und den letzten Saft aus den Zweigen gezogen haben.

Kurze Tage, die viel zu wenig Lebhaftigkeit und Abwechslung zu haben schienen. Nur einmal den Sommer, Frühling und Herbst erleben zu dürfen, mit seiner wohligen Wärme, den vielen Farben und den langen, interessanten Tagen. „Warum kann ich nicht einmal nur mit einem Sandkorn tauschen?“, dachte sie wehmütig vor sich hin.

Dies schien eine Elfe gespürt zu haben. Sie setzte sich neben die Schneeflocke und fragte sie, warum sie so traurig sei?

Da erzählte ihr das Flöckchen von ihrem Wunschtraum.

„ Ach“, meinte die Zauberelfe, „das ist kein Problem für mich, diesen Wunsch kann ich dir gerne erfüllen.“ „Für eine Woche darfst du mit einem Sandkorn tauschen. „Danach entscheidest du, ob du wieder so sein willst wie zuvor.“ „JA!!!!“ rief die Schneeflocke vor Freude laut aus und machte einen Luftsprung.

Nun trieb sie der Wind an einen Strand. Auch dort trampelten Menschen auf ihr herum, die sich damit einen Weg ins Wasser bahnten. Ihr war heiß und sie schwitzte heftig.

Aber es war auch spannend, der schillernd bunten Fischwelt beim Schwimmen zu zusehen. Oder am lichtblauen Himmel die farbigen Drachenflieger und Gleitschirme zu entdecken. Steine, Muscheln, Strandkörbe, Sonnenschirme und viele krabbelnde Tiere konnte sie erspähen. Sehr viel mehr Leben schien hier zu herrschen.

„Eigentlich nicht schlecht so ein Sandkorn zu sein, “ dachte sie leise vor sich hin, „wenn nur diese Hitze nicht wäre.“ Irgendwie war sie total an die Kälte des Winters gewohnt.

Tja und auch als Sandkorn ist man nicht gänzlich geschützt vor diesen rücksichtslosen, wohl „blinden“ Menschen, die überhaupt nicht darauf achten, ob sie nun auf einen treten oder nicht.

Ja und diese längeren Tage sind auch ganz schön anstrengend. Am Abend war sie deshalb immer todmüde und versank sofort in tiefen Schlaf.

Jetzt kam die Zeit wo die Elfe erneut erschien und sie fragte, ob sie künftig ist diesem Leben ein Sandkorn bleiben möchte, oder ob sie die Zauberelfe wieder zurückverwandeln sollte.

„Nun was glaubt ihr, wie sich unsere kleine Schneeflocke entschieden hat?“ Sie bat höflich darum, doch wieder Schneeflocke sein zu dürfen. Nun hatte sie alles gesehen, dass ihr einst unbekannt war. Durfte jegliches Gefühl erspüren, dass sonst nur Sandkörner haben. Die Hitze des Tages, die Nässe des Wassers, die anstrengenden, langen Tage, aber auch die vielen bunten Farben und das geschäftige, lebhafte Treiben der Tiere und Menschen.

Zufrieden all dies als Erfahrungswerte aufgenommen haben zu dürfen, kehrte sie in ihre übliche Schneeflockenwelt zurück.

Voll Freude auf die leuchtenden Kinderaugen, die sich über den Nikolaus und die Weihnachtsgaben erfreuen.

Gefüllt von der Zufriedenheit, wieder wohliges Kerzenlicht erleben zu dürfen, den Tannenduft zu riechen. Oder den Geruch von gebrannten Mandeln, Zuckerwatte, Bratäpfel, Bratwürsten, Glühwein und Punsch, in der Nase zu spüren. Müde und gefüllt von zahlreichen Eindrücken ist sie eingeschlafen und träumt nun von ihren vielen Erlebnissen.

( eigene Gedanken am 25. 11. 05)

 

 

 

 

 

Die gelbe Rose


Was ist das nur wieder für ein Gehetze?, dachte ich so bei mir. Nun war ich extra schon eine Stunde früher aufgestanden, um vor dem Gang in die Stadt alles im Haus zu erledigen und nun das! Erst bekam ich nicht gleich einen Parkplatz, dann waren die Schlangen an den Kassen unverhältnismäßig lang. Es kam mir jedenfalls so vor.
Ich nahm eine Abkürzung über einen Fußweg, um zum Auto zu gelangen. So kam ich durch eine Strasse, in der ich noch nie gewesen war. Die Häuser standen dicht an dicht gedrängt. Nur dieses kleine Haus da vorne hatte einen Vorgarten. Schillernd bunt stach der aus dem grauen Einerlei hervor. Ich musste einfach stehen bleiben trotz der knappen Zeit.
Blaue, weisse und rote Stauden standen eng, beieinander und buhlten um die Aufmerksamkeit des Betrachters. Mohnblüten wogten im Wind. Weisser Rittersporn und blaue Hortensien standen einträchtig nebeneinander. Ein Rosenstrauch mit gelben Rosen verströmte einen intensiven Duft. Eine Erinnerung keimte in mir auf. Ich ging einen Schritt näher an die Rosen heran, um ihren Duft einzuatmen.
Ja, dieser Duft, den hatte ich schon sehr lange nicht mehr gerochen. Vor meinem inneren Auge sah ich plötzlich meine Oma mit ihrer Gartenschürze um und der Rosenschere in der Hand. Auch in ihrem Garten durfte alles blühen, was ihr gefiel. Selbst Samen, die der Wind oder die Vögel mitbrachten, ließ sie erst einmal wachsen. Gefiel ihr das Ergebnis, durften die Pflanzen in ihrem Garten bleiben.
Besonders liebte sie ihre Rosen, die in allen Farben in dem Garten standen. Die meisten von ihnen dufteten wundervoll, aber am allerliebsten mochte sie die gelben Rosen.
Als Kind war ich oft bei Oma zu Besuch. Wenn es dann wieder nach Hause ging, durfte ich immer meiner Mutter einen selbst gepflückten Strauß mitnehmen. Und als Krönung gab Oma mir eine gelbe Rose, die ich in die Mitte des Straußes schob.
"Gefällt Ihnen der Garten?"
Diese Frage ließ mich aus meinen Gedanken aufschrecken. Ich schaute in das Gesicht einer älteren Frau. Sie lächelte mich freundlich an.
"Außerordentlich. Dieser Garten ist wundschön, eine wahre Pracht!", erwiderte ich und wollte weitergehen. Man starrt einfach nicht so eindringlich in fremde Gärten.
"Warten Sie!", hielt mich die Stimme der Frau zurück. Und noch bevor ich etwas erwidern konnte, zog sie eine Rosenschere aus ihrem Kittel, schnitt eine gelbe Rose ab und gab sie mir mit den Worten " Einen schönen Tag wünsche ich Ihnen noch."
Ich nahm sie dankend entgegen und roch an der Rose während ich zum Auto zurückschlenderte. Der Duft dieser Rose und die damit verbundenen Erinnerungen begleitete mich noch lange.

(Von Silke Bekker)

                                                                                    

 

Die kleine Mücke Traurigkeit

Die kleine Mücke Traurigkeit flog durch die Welt. Immer wenn sie jemanden stach, wurde derjenige von unerklärlicher Traurigkeit ergriffen. Niemand verstand dann, was mit dem Betreffenden los war, denn es passierte von einem Augenblick zum nächsten. Er selbst verstand es meist auch nicht. In einem Moment war er noch ganz fröhlich und dann überfiel ihn eine mächtige Traurigkeit.

Die kleine Mücke Traurigkeit merkte, dass die Menschen um sie herum immer trauriger wurden. Sie störte das nicht weiter, denn sie hielt Traurigkeit für ganz normal. Nie hörte man von ihr ein Lachen, nie flog sie lustige Kapriolen in der Luft. Die anderen Mücken mieden sie, denn sie war so traurig, dass sich die anderen von ihr nicht anstecken lassen wollten. So war die kleine Mücke Traurigkeit ganz alleine mit ihrer Traurigkeit.

Eines schönen Sommerabends traf sie eine Grille, die ein wunderschönes Grillen-Konzert veranstaltete.

"Was für eine schöne Musik." sagte die Mücke traurig.

"Nicht wahr", freute sich die Grille, "Musik macht ein fröhliches Gemüt und ein glückliches Herz."

"Was ist das?" fragte die kleine Mücke.

"Was ist was?" die Grille verstand sie nicht.

"Na, was ist ein fröhliches Gemüt und ein glückliches Herz?" wollte die kleine Mücke wissen.

"Wer bist denn du, dass du das nicht weißt?" fragte die Grille erstaunt.

"Ich bin die kleine Mücke Traurigkeit." stellte sich die kleine Mücke vor.

"Na, dann ist ja alles klar", seufzte die Grille, "du armes kleines Wesen."„

"Kann ich lernen, was ein fröhliches Gemüt und ein glückliches Herz ist?" fragte die kleine Mücke.

"Hör mir einfach nur zu" antwortete die Grille.

Und die Grille begann das schönste Grillen–Konzert ihres Lebens. Sie spielte leicht und fröhlich, wehmütig und liebevoll. Sie spielte alle Melodien die sie kannte und noch einige mehr. Mal klang ihre Musik hell und klar, mal klang sie übermütig und ausgelassen. Doch immer klang die Fröhlichkeit darin mit. Die Grille spielte so schön, wie noch nie in ihrem Leben. Die kleine Mücke Traurigkeit lauschte ganz hingerissen. Aber nicht nur sie, sondern alle, die die Musik der Grille hörten, hielten inne und begannen zu lauschen. Die schönen Klänge gruben sich tief in alle Herzen. Die kleine Mücke Traurigkeit vergaß ihre Traurigkeit, während sie der Musik atemlos lauschte. Und mit einem Mal passierte etwas ganz besonderes mit der kleinen Mücke. Weil sie ihre Traurigkeit nicht mehr spürte, wurde in ihrem Herzen Platz für viele andere Gefühle. Mit der Musik erlebte sie Freude und Lachen, und spürte Übermut und Fröhlichkeit, von der sie gar nicht wusste, dass es sie gab.

Als die Grille geendet hatte, dankte ihr die kleine Mücke ganz bewegt und voller Freude.

"Ich wusste gar nicht, dass es so etwas gibt. Nie habe ich mir vorstellen können, dass es so viele Gefühle gibt" staunte die kleine Mücke glücklich. "Das werde ich nie vergessen. Du hast mir ein wunderschönes Geschenk gemacht."

"Damit hast du mir auch ein schönes Geschenk gemacht." gab die Grille zurück. "Wenn jemandem meine Musik gefällt, ist das das allerschönste für mich."

Die kleine Mücke verabschiedete sich von der Grille. Und sie machte sich auf die Suche nach einem neuen Namen.

Von Sigrid Hauer-Ort

 

 

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Der reiche Brombeerpflücker

Vor vielen Jahren lebte in einem großen Wald ein alter Brombeerpflücker. Sein Vater und seine Mutter lagen schon seit einem halben Jahrhundert im Schatten einer buche begraben. Aber das hatte er längst vergessen. Er wußte nicht einmal, was das zerfallene Kreuz eigentlich bedeutete; er hielt es nur für ratsam, einen Umweg zu machen, wenn er nachts daran vorbeigehen mußte. Sonst wohnte niemand in dem Wald, und deshalb glaubte der Brombeerpflücker, er sei allein auf der Welt.
Diese Vorstellung tat seiner Fröhlichkeit keinen Abbruch. Er sang immerzu lauthals die lustigsten Lieder - außer nachts, wenn er schlief.
Aber sonst kann man sich keinen glücklicheren Menschen vorstellen. " Die vielen silbernen Perlen auf den Blumen", pflegte er morgens zu sagen. " Nur für mich sind all die Diamanten über das Gras gestreut. Was bin ich reich!"
Und wenn er durch den Wald ging, staunte er: " Was für hohe Gewölbe, weite Tore und prachtvolle Säulen. Und all das nur für mich." Mittags lag er auf dem Rücken, um die Wolken zu betrachten, welche die wunderbarsten Figuren für ihn formten. "Da, ein Bär", sagte er dann. " Und dort....eine Winterlandschaft. Was für eine Zimmerdecke!"
Doch die größte Freude hatte der Brombeerpflücker am Abend. Dann setzte er sich vor seine Hütte und wartete gespannt. Und auf einmal, wenn die Sonne ihre letzten Purpurstrahlen über die Hügel warf, begann tief im Wald eine feine, hohe Stimme zu jubilieren, so zauberhaft schön und doch so unendlich wehmütig, daß ihm sogar die Tränen kamen. "Herrlich!" rief er dann aus." Danke, unbekannter Sänger! Was für eine Musik. Wie schade, daß dich sonst niemand hört." Doch er war nicht allein. Ein Entdeckungsreisender zog durch den Wald, stieß eines Abends die wackelige Tür auf, stand lachend vor dem Brombeerpflücker und sagte: " Etwas zu essen und ein Bett, guter Mann, das ist alles, was ich will. Denn ich bin hungrig und müde. Versteht ihr mich?"
Doch der Brombeerpflücker saß totenbleich auf seinem Stuhl und schwieg. " Na los", fuhr der Reisende fort, "hier ist ein Goldstück. Das wird euch die Zunge lösen."
Nun raffte sich der Brombeerpflücker auf. "Fremdes Wesen", sagte er mühsam,"ich brauche euer Gold nicht. Deshalb habe ich nicht geschwiegen. Aber darf ich euch einmal anfassen?"
"Nur zu"; sagte der Fremde, der ein fröhlicher Mann war. Der Brombeerpflücker betastete ihn. Er nahm seinen Kopf, drehte ihn nach allen Seiten, sah ihn aufmerksam an, kniff in seine Nase und rief zum Schluß: " Genau wie ich! Alles dasselbe!" Und er umarmte ihn.
"Was seid ihr doch für ein Einfaltspinsel", lachte der Reisende und machte sich los. "Habt ihr noch nie einen Menschen gesehen?"
"Ich bin nicht allein!" rief der Brombeerpflücker und klatschte in die Hände. " Ich bin nicht allein. Genau solche Beine:" Und er tanzte um den Tisch.
"Kommt", sagte der Femde,"ich habe Hunger. Beherrscht euch doch etwas." Und er setzte sich an den Tisch, nahm einen Holzteller aus seinem Rucksack und stellte ihn laut und deutlich vor sich hin. "Also", sagte er,"nun laßt mal etwas sehen." "Jaja", rief der Brombeerpflücker. "Genau wie ich!" Und er hüpfte zum Vorratsschrank, holte Brot, Käse und Honigkuchen und tanzte mit alledem wohl dreimal um den Tisch herum. Dann setzte er sich, holte tief Luft und sagte:"Bedient euch" Bei jedem Bissen, den der Fremde zu sich nahm, rief der Brombeerpflücker entzückt:" Genau wie ich!" Das war anfangs etwas lästig, aber der Reisende hatte Hunger und aß lächelnd zu Ende. Zum Schluß hob er den Kopf, und sein Blick fiel auf das Goldstück, das noch immer am Rande des Tisches lag. "Freund",sagte er,"warum wollt ihr das Goldstück nicht von mir annehmen?" "Ich brauche es nic ht", antwortete der Brombeerpflücker einfach," ich habe Diamanten."
"Diamanten?" wiederholte der Reisende," ihr habt Diamanten? Wie viele?"
"Genau weiß ich es nicht", meinte der Brombeerpflücker," ein paar Wiesen voll."
"Sagt das noch einmal!"
"Ein paar Wiesen voll", wiederholte er.
Dieses Mal war es der Reisende, der totenbleich auf seinem Stuhl saß. "Mann!" rief er schließlich"ihr seid steinreich" "Hab ich doch schon gesagt", meinte der Brombeerpflücker," aber das ist noch nicht alles. Ich habe auch noch andere Dinge." "Was denn noch, Kamerad?"
"Ja", sagte der Brombeerpflücker verlegen," hier gibt es soviel. Da sind zum Beispiel die Spiegel."
"Spiegel?" fragte der Reisende hastig.
"Ja", fuhr der Brombeerpflücker ruhig fort, "ein paar Tausend. Ich hab sie nie gezählt. Manche sind so groß, daß man einen ganzen Tag braucht, wenn man um sie herumgehen will." "...........einen ganzen Tag braucht, wenn......Freund, wo liegen all diese Schätze?"
"In meinem Haus" "Das muß ein Palast sein", stammelte der Fremde. "Es ist auch ein Palast", sagte der Brombeerpflücker lächelnd,"ich habe ihn noch nie ganz besichtigt, dafür ist er zu groß. Da sind Säulengänge, deren Ende man nicht sehen kann. Tausende von schlanken Säulen tragen das Gewölbe. Es ist eine Lust, das zu sehen. Ab und zu trifft man auf noch weitere, noch höhere Bögen. Dort ist das Gewölbe nicht grün, sondern hellblau mit weißen Flecken." "Mosaik also"" fragte der Reisende atemlos. "Ich weiß nicht, was ihr meint" antwortete der Brombeerpflücker. Der Reisende erklärte ihm das schwierige Wort. "Oh nein", entgegnete der Brombeerpflücker," das ist nur Kinderkram. Mich würde es auf die Dauer langweilen, immer nur dasselbe anzusehen. Nein, hier bewegen sich die Figuren, sie ziehen langsam und würdevoll vorbei, ja, sie verformen sich zu den wunderbarsten Gestalten: Eisbären, Winterlandschaften, Kobolde mit Bärten...... selbst die Farben verändern sich: mal tiefblau, mal hellgrau, mal beides. Es ist herrlich anzusehen, ich werde es nie müde." "Das ist ja unglaublich!" rief der Fremde. "Ungalublich! Und das alles für einen Menschen. Ihr müßt euch doch sichert manchmal einsam fühlen zwischen all den Säulen, Spiegeln und Gängen." "Aber nein", meinte der Brombeerpflücker" es gibt genug Musik. Von allen Seiten und den ganzen Tag."
"Musik?" rief der Reisende." Musik? Na, jetzt wollt ihr mir aber etwas weismachen!"
"Nein, wirklich nicht", versicherte der Brombeerpflücker," den ganzen Tag über und immer wieder neue Lieder. Und abends wird besonders schön gesungen. Ihr müßt morgen abend mal lauschen. Ihr schlaft doch heute hier?" "Nein", sagte der Fremde und zog seine Jacke über,"ich muß sofort weiter. Ich bin ein Entdeckungsreisender. Dies ist meine größte Entdeckung. Ich gehe, um jedermann davon zu berichten" "Ja, das müßt ihr tun", sagte der Brombeerpflücker,"ich habe es schon lange als Unrecht empfunden, dies alles allein zu genießen. Aber bleibt doch noch diese kurze Nacht! Dann werde ich euch morgen alles zeigen und ihr könnt noch viel besser davon berichten." "Nein", sagte der Reisende,"Zeit ist Geld. Ich gehe sofort weiter. Besten Dank für den Honigkuchen. Adieu!" Er zog die Tür hinter sich zu und verscheand in der Nacht.

Der Brombeerpflücker eilte nach draußen, aber er sah nur noch, wie sich ein Schatten zwischen den Bäumen verlor. "Wie schade", murmelte er. "Zeit ist Geld? Und er hätte so viele Diamanten haben können, wie ein Mensch nur tragen kann. Reisender! Reisender, komm zurück!" Doch der hörte ihn nicht mehr. Er sprang über Hecken und Zäune, schwamm durch zwei Flüsse, marschierte wieder durch einen dunklen Wald und war in der Stadt. "Bürgermeister", sagte er,"ich habe dir etwas wichtiges mitzuteilen." Und er erzählte von dem reichen Brombeerpflücker. "Gut", sagte der Bürgermeister, "das hört man gern. Dann sprecht nur vom Rathaus aus."
Und der Reisende sprach vom Rathaus aus: "Leute", rief er, "möchtet ihr gern Diamanten haben?"
"Aber sicher!" riefen die Menschen.
"Und hat jemand Lust auf Spiegel, die so groß sind wie dieser Marktplatz hier?"
"Ja, sicher", riefen die Leute. "Gebt sie nur her!"
"Und ist hier vielleicht jemand, der gern in einem Palast mit grünen Säulengängen und Decken aus beweglichem Mosaik leben möchte?" "Klar wollen wir das." schrien die Menschen. "Wo steht er?"
"Kommt nur mit!" rief der Entdeckungsreisende. "Lauft nur immer hinter mir her! Wir haben keine Zeit zu verlieren!" Und sie marschierten durch einen dunklen Wald, schwammen durch zwei Flüsse, sprangen über Hecken und Zäune und waren im Wald beim Brombeerpflücker. "Beerenpflücker!" rief der Reisende. "Hier sind wir!"
"Wie schön", sagte der Beerenpflücker, "ihr fackelt nicht lange, das muß ich schon sagen. Himmel, wie viele Leute habt ihr denn da mitgebracht? Das müssen ein paar Tausend sein. Was wollt ihr mit denen?" "Wir kommen die Diamanten holen", sagte der Bürgermeister und trat vor, "und wir wollen in dem Palast wohnen, der eine Decke aus beweglichem Mosaik und Säulen aus grünem Smaragd hat. Wir kommen, um der Musik zu lauschen und auch die Spiegel müssen wir haben." "Das ist ja wunderbar!" rief der Brombeerpflücker und umarmte ihn. "Ich bin so froh, daß auch ihr das zu schätzen wißt und daß ihr begreift, wie schön das alles ist. Willkommen, willkommen! Honigkuchen hab ich nicht soviel, dafür aber gutes Brot und frisches Wasser." "Wir brauchen keinen Honigkuchen", sgate der Bürgermeister langsam, "wir wollen Diamanten."
"Die bekommt ihr", rief der Brombeerpflücker. "So viele, wie ihr wollt! Wartet bis morgen."
"Geht das nicht noch heute Abend?" fragte der Bürgermeister besorgt. "Zeit ist Geld." "Nein"; erwiderte der Brombeerpflücker und schüttelte den Jopf, "jetzt ist es dunkel, und in der Dunkelheit sieht man die Diamanten nicht. Aber morgen früh sollt ihr alle etwas zu sehen bekommen! Geht jetzt nur schlafen, wir haben alle Zeit!" "Gut!" sagte der Bürgermeister. "Schlafen, Leute! Wir haben alle Zeit"
Am folgenden Morgen lagen die Auen glitzernd und funkelnd unter einem roten Himmel.

An jedem Grashalm, auch am kleinsten, hingen prachtvolle, silberne Diamanten, und als die Sonne aufging, verwandelten sie sich in Smaragde, Topase und Saphire, strahlend vor Licht, blinkend vor Reinheit, leuchtender als irdische Juwelen. Und mittendrin standen die Menschen und redeten von Diamanten, die jetzt wohl gefunden werden sollten, ganze Wiesen voll. Wenn nur endlich der Beerenpflücker aufwachte! Sie sahen gespannt auf die kleine Tür. Endlich ging sie auf. Der Brombeerpflücker trat nach draußen und ließ still seinen Blick über die Auen schweifen. Tränen standen ihm in den Augen. "Habt ihr ein Glück", sagte er leise. "Wie bitte?" murmelte der Bürgermeister.
"Ich sagte, daß ihr Glück habt", antwortete der Brombeerpflücker. "So viele Diamanten liegen da sonst nie." "Ich sehe keine Diamanten", sagte der Bürgermeister.
"Ihr seht keine?" fragte der Brombeerpflücker verblüfft.
"Wir sehen nichts!" riefen die Menschen. "Wir sehen überhaupt nichts."
Der Brombeerpflücker schlug die Hände über dem Kopf zusammen. "Wo habt ihr nur eure Augen?" rief er. "Schaut euch doch um. Seht ihr das nicht?"
"Das ist Tau", sagte der Bürgermeister böse.
"Das....das wußte ich nicht", stammelte der Brombeerpflücker "ich dachte......"
"Wo sind die Säulengänge?" fragte der Bürgermeister knapp.
"Dort", flüsterte der Brombeerpflücker.
"Das sind Bäume", erklärte der Bürgermeister. "Wo ist das Mosaik?"
"Da", sagte der Brombeerpflücker.
Der Bürgermeister hob die Augen zum purpurnen Himmel. "Das ist doch nur der Himmel. Wo sind die Spiegel?"
Der Brombeerpflücker wies schweigend in die Ferne.
"Das sind Teiche", sagte der Bürgermeister "Wo ist die Musik?"
Der Brombeerpflücker hob den Zeigefinger, und der Bürgermeister horchte. Dann richtete er sich auf und sagte mit einem bitteren Lächeln:" Das ist eine Nachtigall, du Narr. Eine ganz gewöhnliche Nachtigall! Wir sind betrogen worden!" "Wir sind betrogen worden!" schrien die Menschen. "Man hat uns betrogen!"
"Aber ich habe doch genau geschildert, wie es ist", verteidigte sich der Brombeerpflücker. "Ich habe doch genau...." "Hängt ihn auf!" riefen sie. "So hängt ihn doch auf!"
Und als am Abend die Nachtigall ihr trillerndes Lied begann, war niemand mehr da, der ihr lauschte.
Denn einen Ast tiefer hing der Brombeerpflücker -
tot.

 

 

 

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